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Neuerliche Sternstunden bundesdeutscher Fernsehunterhaltung

Plakate abgehängt, Sendung neu vertont, Name geändert – Pro Sieben reagiert auf die Kritik an der Datingshow „Milf oder Missy“ – und verteidigt sich: Man wolle Rollenklischees aufbrechen. Beim Werberat hatte es 111 Beschwerden gegeben.

So, so, an der Bewerbung dieser Dating-Show – gibt es davon eigentlich nicht schon mehr als genug?! – wird also Anstoß genommen. Zu Recht, wenn man die einschlägigen TV-Spots über sich ergehen lassen hat. Freilich nimmt es dann doch Wunder, wieso denn nicht die gesamte Show beanstandet wird. Alle hehren Beteuerungen des Senders:

„Die Intention hinter dem Format ist, Rollenklischees aufzubrechen und sich mit der Thematik Altersunterschied in der Beziehung auseinanderzusetzen – ein polarisierendes Thema in unserer Gesellschaft.“

können kaum darüber hinwegtäuschen, daß unter diesem pseudoseriösen Deckmäntelchen nur der Objektivierung, Verdinglichung und beliebigen Austauschbarkeit des anderen Geschlechts weiter Vorschub geleistet wird. Wir leben ja ohnehin in einer Wegwerfgesellschaft. Und nackte Haut und „Let’s talk about Sex“ ziehen ja immer, Hauptsache derber und frivoler und oberflächlicher denn je. Oder zum Fremdschämen. Und genügend anpassungsfähige Werbetreibende werden sich sicherlich auch finden, die aufgestauten Regungen der Gemüter in den allfälligen Unterbrechungen der Fleischbeschau in explodierende Konsumlust zu transformieren.