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Romantyczne (Juli Achtzehn)

So schauts aus, liebe Leut, wenn man – noch ganz chorisch beseelt nach erfolgreich absolvierter kollektiver musischer Betätigung –, am Sonntagabend an des Nachbarstadtteils seinem Gestade einem herrlichen Naturschauspiele beiwohnend, nichts anderes denn ergriffen säuseln kann: romantyczne – wie es die nette Polin vom Hause schräg gegenüber zumindest nennen würde. Und das nächste Mal bestelle ich noch Wolken dazu …

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Aufgeschnappt: Gesichtsbuch-Peinlichkeiten …

Neulich gesehen im sozialen Netzwerk (tummelte mich dorten eigentlich nur um einer Radioshowplaylist willen, leider dann doch vergeblich :-():

Du bist das beste was mir je passieren konnte. Ich bin dir dankbar für jeden Tag, den ich mit dir verbringen darf. Ich werde dich ewig lieben! Und dir für immer dankbar sein für die beiden wundervollsten Geschenke in meinem Leben. DANKE für neun wunderbare Ehejahre und alles liebe zum Hochzeitstag! Ich liebe dich!

Aha, welch Anlaß für ein Posting unter eingenem Namen an Hinz und Kunz, ein schiefer Hochzeitstag, so, so: Aber warum erklärt sie ihm ihre unverbrüchliche Liebe dann nicht in einem anderen, geschlossenen, privaten Rahmen, live, Aug in Aug, in trauter Zweisamkeit? Es ist natürlich nicht jedem gegeben, offen über seine Geühle, noch dazu in Bezug auf das unmittelbare Gegenüber, zu sprechen. Dann könnte frau aber immerhin noch auf eine individuell adressierte Nachricht zurückgreifen oder auf andere verschwiegene Kanäle wechseln. Wenn sie schon nicht fingerfertig-liebevoll eine selbst entworfene Karte anfertigen mag. Doch womöglich ist das beste (Stück?) auch nicht unmittelbar greifbar, leider nicht zugegen, unterwegs auf Montage, im Auftrage ihrer Majestät oder hinter schwedischen Gardinen, wer weiß das schon. Gut, befände ich mich an seiner Stelle, freute ich mich unter Umständen auch ein kleines bißchen darüber, so kleinlich wollen wir dann doch nicht sein. Mutmaßlich wäre ich aber eher peinlich berührt: über den Drang meiner Angetrauten zur Selbstdarstellung, über das Nachaußenkehren ganz eigener, privater Angelegenheiten, über das Publikmachen meines Beziehungsstatus, über den vor Kitsch triefenden Gefühlserguß für die Galerie. Denn was ist solch ein Bekenntnis dann noch wert, welches offensichtlich deutlich auf Außenwirkung berechnet ist? Es ist nichts anderes als Reklame in eigener Sache, Extro-Propaganda, Emotionsveräußerung, Objektsdegradierung einer Beziehung. Oder Verlust der Fähigkeit zu direkter Kommunikation, die Unfähigkeit, Gefühle im direkten mündlichen Austausch zu teilen (und also nicht per Tastatur), sich mithin gegenseitig emotional zu beschenken. Dem ach so sozialen Netzwerk sei’s hiermit gedankt. Solch ein Paar sitzt vermutlich einträchtig nebeneinander – wenn es dann tatsächlich einmal vereint ist, siehe oben -, ein jeder starrt gebannt auf seinen smarten Screen, unablässig beschäftigt mit „Zewa wisch & weg“. Und ab und an wird pflichtschuldigst, mechanisch nur und ohne eigentliche Emotion, ein Liebesschwur für Hinz und Kunz veröffentlicht. Beruht die Netzwerk-Affinität indes nicht gänzlich auf Beiderseitigkeit, sei hier schließlich noch eine Empfehlung ausgesprochen: Drum prüfe, wer sich ewig bindet! und der anderen Seite: Drum prüfe, bevor Du postest!