Archiv für den Monat August 2019

Wider den Verbots-Widerstand

Unter der Überschrift Der Verbots-Wahnsinn leitet der Kommentator der F.A.Z. seinen Text folgendermaßen ein:

Verbote spalten die Gesellschaft. Sie kennen nur Schwarz und Weiß. Sie passen nicht in eine bunte Welt.

Ist das Argument der angeblich unmöglichen Passung mit der sog. „bunten Welt“ nicht eher eine willkommene Ausrede einer pervertierten sich liberal gebenden Haltung – wohlsituiert in verkehrsberuhigten, friedhofsstillen Villenvierteln -, seine Hände bequem in den Schoß zu legen und nichts an seinem Gebaren in Frage zu stellen? Existieren durch ein allzu starres Festhalten an einem überkommenen verabsolutierten Freiheitsdogma nicht eher zu wenige Verbote (man denke bspw. an die Finanzwirtschaft, die Landwirtschaft, die Auto-Industrie bzw das Verkehrswesen im Allgemeinen, die Kultur-Industrie, die politsche Kultur, oder, im kleineren Maßstab, das Nachtleben)? Und bedroht solch eine nonchalant-egoistische Haltung nicht erst recht das, was sie zu schützen vorgibt, eben die viel zitierte „bunte Welt“? Stattdessen „anything goes“ und nach mir die Sintflut …

 

Allzu späte Einsicht oder Dämlichkeit am Werk!

Ist er etwa um seinen guten Ruf in einer künftigen Geschichtsschreibung besorgt? Der plötzliche Aktionismus von Labour-Chef Jeremy Corbyn befremdet doch eher, wirkt unglaubwürdig und kommt wohl eher zu spät. Denn hat er die aktuelle Einbahnstraße von Boris Johnson durch seine intransigente Haltung, durch seine quälende Weigerung, auch nur ein Schrittchen auf Theresa May und ihr zugegeben wohl nicht gerade optimales Austrittsszenario zuzugehen, nicht selbst nach Kräften heraufbeschworen? Hätte er sich beizeiten besonnen, hätte der Brexit – freilich noch immer so unnötig wie ein Kropf – in einer nationalen Kraftanstrengung einer Koalition der Vernünftigen in geordneten Bahnen über die Bühne gehen können, womöglich auch zu vorteilhafteren Konditionen für das Vereinigte Königreich dank einer geeinten „Heimatfront“. Zumal sich beide über das Was ja wohl grundsätzlich einig waren. Stattdessen wird uns nun schon seit Monaten ein Lehrstück der besonderen Art, ein Schmierentheater, gegeben, nämlich wie weit es kommt, wenn man persönlichen Eitelkeiten, ideologischer Halsstarrigkeit, politischer Kurzsichtigkeit und populistischer Rücksichtslosigkeit nicht rechtzeitig Einhalt gebietet. Zum Fremdschämen! Denn die Zeche zahlen mal wieder Hinz und Kunz …

PS, 25.09.2019: Weit gefehlt, Jeremy Corbyn und seine Labour Party können sich nach wie vor nicht zu einer eindeutigen Positionierung zum Brexit aufraffen. Das mag der allgemeinen Spaltung der britischen Gesellschaft geschuldet sein, als deren Spiegelbild die Partei quasi zu betrachten ist. Doch kann es sich eine große traditionsreiche und staatstragende Partei wie Labour angesichts der weiteren krisenhaften Zupitzung einer nicht nur nationalen Frage tatsächlich leisten, andauernd nur herumzulavieren? Gerade auch in diesem Augenblick, wo die Zwangsbeurlaubung des Parlaments durch eine wenig zimperliche Regierung von höchster juristischer Seite als unrechtens verworfen worden ist und also eine glaubwürdige Alternativposition aufgebaut werden müsste? Zweifel daran scheinen durchaus angebracht, wie auch ein Blick auf aktuelle demoskopische Werte anzeigt. Eine größte Oppositionspartei hat in Entscheidungssituationen von historischer Tragweite ernsthafte Orientierung anzubieten, sonst hat sie ihren eigenen Anspruch, Korrektiv einer in diesem konkreten Falle noch dazu entschlossenen Exekutive zu sein, nachgerade verwirkt.

Superflausch – Der andere Blick spezial!

Uuuuuh, Oooooh, schon wieder cat-content. Heuer freilich aus gegebenem besonderen Anlaß, dem Achten Achten nämlich.

Nicht unneugierig, gleichwohl auch irgendwie genervt und mißtrauisch:

 

Mitternächtlich entspannt in gewohnt unmöglicher Lebenspose in den Weltkatzentag hinein.

 

Wer einmal in derlei treue Augen, in solch ein ehrliches Gesichtchen geblickt hat,

wer einmal sanft durch flauschiges Fell gestrichen ist,

wer sich einmal köstlich amüsiert hat ob ihrer unmöglichen Lebensposen, ihrer irrwitzigen Behausungen oder gespannt den Atem angehalten hat ob ihrer akrobatisch-gewagten Einlagen,

der kann einfach nicht anders als Katzen zu lieben.

 

PS: Ach ja, nicht zu vergessen, Kratzer gehören selbstverstandlich auch dazu, sonschd isch des kei rechte Katz!

PPS: Und Spatzenmord leider Gottes auch, schnüff …

 

Photographie © LuxOr

In flagranti?

Die professionelle Blogger-Gemeinde ist aufgeschreckt, die deutsche Bloggerszene in Aufruhr. Was ist geschehen? Den Netz-Schreiberlingen droht nämlich nicht allein von der allerorten voranschreitenden Roboterisierung Ungemach. Nein, es erwächst ihnen auch von bisher nicht als Bedrohung wahrgenommener Seite offenbar Konkurrenz. Denn wie wir aus stets gut unterrichteter Quelle erfahren durften, hat sich ein Vierbeiner eines Accounts bemächtigt und verbreitet dort unter menschlichem Pseudonym seine Polit-Prosa. Hinter LuxOr, dem vermeintlichen Autor des kleinen, aber feinen Blogs gleichen Namens („LuxOrs – Politik und Poesie des Alltags“) soll sich nämlich niemand Geringerer als der allseits bekannte und beliebte Mäx Meyer, welcher bislang allenfalls als Model für unsägliche Lebensposen in Erscheinung getreten ist, verbergen. Wie zum Beweise wurden uns denn auch kürzlich Photos zugespielt, welche besagten Kater in zumindest verdächtiger Pose zeigen. Erst nach skrupulöser Prüfung und nachfolgender kontroverser interner Diskussion entschieden wir uns, diese in dubio pro publico zu veröffentlichen.

 

Der Implikationen dieses Falles sind jedenfalls viele. Hat sich Mäx Meyer etwa in strafrechtlichem Sinne der arglistigen Täuschung des gemeinen Followers schuldig gemacht? Ist die im Netz vorherrschende Anonymität nicht das ideale Einfallstor für extra-humane Intelligenz, vor der zu warnen man nicht müde werden darf? Und ist der gewöhnliche digitale homo sapiens überhaupt noch in der Lage, jene von seinesgleichen zu unterscheiden? Der mutmaßliche Delinquent jedenfalls war bei Tageslicht nicht für eine Stellungnahme zu erreichen und hüllt sich auch weiterhin in Schweigen.

Photographie © LuxOr