Archiv für den Monat März 2018

Dann eben von unten …

Ja schon, es gilt noch immer die Unschuldsvermutung, ein hohes Gut im Übrigen. Und man sollte jedenfalls nicht so naiv sein, den sogenannten Westen frei von jener gehörigen Portion Zynismus zu klandestinen Staatsaktionen zu sehen, wie beispielsweise die nach wie vor mysteriösen Fälle der Attentate auf  „JFK“ und O. Palme, oder auch die Attentatsserie des heimischen NSU nahelegen. Insofern ist es alles andere denn erwiesen, daß Wladimir Pes Schattenkrieger für die Vergiftung des vormaligen Doppelagenten Skripal im britischen Salisbury verantwortlich zeichnen. Gleichwohl bleibt die Frage nach dem Motiv und dem Nutzen. Rein private oder kriminelle scheiden wegen der notwendig hohen Expertise wohl aus. Die Reihen nach innen (auf der Insel wie innerhalb der EU) zu schließen durch einen vermeintlichen perfiden Anschlag von außen, wäre da schon eher denkbar (wenn auch immer noch ziemlich abenteuerlich und – darüber hinaus – „ein bißchen“ aufwändig). Der Wunsch nach Rache und die Warnung Dritter, Einzelpersonen wie staatlicher Akteure, erscheint dann doch am wahrscheinlichsten. Zumal auch, wenn man sich das Schicksal von Frau und Sohn Skripal vor Augen führt, fällt es einem zunehmend schwer, allein an Zufall zu glauben. Nach diversen mutmaßlichen Hacker-Angriffen, nach den Geschehnissen in Georgien, der Krim resp. der Ost-Ukraine und vor allem in Syrien traut man leider den Verantwortlichen in Moskau schlichtweg alles zu, und der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel …

So weit, so schlimm. Boris Johnson, seines Zeichens Außenminister des Vereinigten Königreichs und als oberster Brexiteer erfahrungsgemäß um keine „Pointe“ verlegen, wartet nun mit einer historischen Analogie auf. Denn er rückt die anstehende Fußballweltmeisterschaft eben in Rußland in die Nähe der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin, in deren Glanz sich Hitlers Deutschland zumindest kurzzeitig ins rechte Licht zu setzen vermochte. Doch wie die damaligen Verantwortlichen bereits bleibt er jegliche Konsequenz schuldig: ein Boykott scheint nicht in Frage zu kommen. „Realpolitik“ at it’s best: böse Miene zum runden Spiel in des kleinen und gerade bestätigten Demokrators Kleptokratie, ja nicht mehr – und dabei als Trostpflaster den Rubel rollen lassen. (Gleichwohl muß man sich auch ehrlich die Frage stellen, welchen effektiven Nutzen ein offizieller Boykott über den symbolisch-moralischen Augenblick hinaus denn brächte, was eine Regierung, eine Staatengruppe damit konkret eigentlich erreichen wollte/könnte und ob ein solcher Schritt die Fronten nicht eher verhärtete).

In dasselbe Horn stößt auch unsere Regierungschefin. Denn wie könnte Bundes-Angi, ohnehin nachwahl-angeschlagen, unserem Bundes-Jogi bei seiner heiligen Mission der Titelverteidigung in den Rücken fallen, ohne die geballte Kritik der bunten „Kleinen Koalition“ der Putin-Versteher im Bundestag (AfD, EfDePe, Die Linke, wie wohl auch manche Christdemokraten bzw. -Sozialen), der nicht nur am Fußball-Geschäft interessierten Wirtschaftskreise und schließlich des einfachen Volkes in seltener Einmütigkeit auf sich zu ziehen. Ja, wenn die Nationalspieler dann wenigstens allesamt patriotische Idealisten wären. Doch weit gefehlt, es bedarf stattdessen gehöriger pekuniärer Inzitamente der kickenden Ich-AGs (im Gegensatz bspw. zu einem Großteil der mehr schlecht als recht von ihrem Sport-Beruf lebenden Olympioniken abseits der durch den Medienrummel elektrisierten Zuschauermassen), auf die zu verzichten wohl kaum einer der Herren gewillt ist. Zu guter Letzt nicht zu vergessen, daß der ausschreibende Weltfußballverband FIFA erwiesenermaßen eine chronisch korrupte Institution darstellt, ohne Aussicht jedenfalls auf baldige nachhaltige Besserung. Außerdem vertreibt diese Agentur inzwischen ein Produkt, das beinah aller Orten der schnöden Ver-VIP-ung bzw. Event-ualisierung unterworfen worden ist. Nach langer Rede nun der kurze Sinn: Mein persönliches Jubiläum, meine zehnte Fußballweltmeisterschaft, wird daher höchstwahrscheinlich erstmals ohne mich auskommen. Denn alles andere wäre Verrat!

 

Postscriptum, 16.05.2018: Zwei aktuelle deutsche Nationalspieler posieren werbewirksam mit einem weiteren „lupenreinen Demokraten“ und brauchen trotz aller sonst propagierten Werteorientierung seitens ihres Verbandes keinerlei Konsequenz von eben diesem zu fürchten. So manche Karriere in der Nationalmannschaft endete aus verhältnismäßig nichtigen Gründen. Wäre Kevin Kuranyi zufälligerweise türkischstämmig gewesen, wer weiß, vielleicht hätte er sofalls doch länger noch in „der Mannschaft“ gekickt und seine Laufbahn dann u. U. nicht kürzlich erst so sang- und klanglos beendet. Das ist deutsche Treue, ist deutsche Konsequenz. Ein Grund mehr also!

(K)eine Atempause?

So, also eine Billion oder Tausend Milliarden. Eine Zahl mit zwölf Nullen. Eigentlich unvorstellbar. Aber genau diese immense Menge an Bäumen möchte Felix Finkbeiner, ein gerademal zwanzigjähriger Student der „Internationalen Beziehungen“ aus Tutzing in Oberbayern, weltweit pflanzen lassen. Das entspreche schätzungsweise einem Drittel des gesamten Weltbaumbestandes oder der Waldfläche Russlands in toto. Alles zur Rettung des Weltklimas, da Pflanzen bekanntlich das schädliche CO2 binden und in Sauerstoff umwandeln. (Und darüber hinaus auch der Bodenerosion und also der fortgesetzten Verwüstung entgegenwirken.) Angefangen hatte er im zarten Alter eines Viertklässlers von zehn Jahren noch mit einer Million. Inzwischen seien rund um den Globus aber bereits Fünfzehn Milliarden Bäume in 193 Ländern auf Spendenbasis gepflanzt worden, teils auf Staatsland, weitab von Siedlungen. Und offenbar ohne landwirtschaftlich nutzbare Flächen für die immer noch stetig wachsende Weltbevölkerung einzuschränken.

Dies Unternehmen, diese individuelle Initiative ist aller Ehren wert, Nichts soll unversucht bleiben, den Klimawandel irgendwie einzudämmen. Zumal so viele Grünflächen, so viele Bäume Neubauten, der allgegenwärtigen Zubetonierung nicht nur in Stadtgebieten zum Opfer fallen. Ohne daß freilich andernorts für eigentlich verordnete Ersatzpflanzungen gesorgt würde. Wie beispielsweise kürzlich erst in meiner Heimatstadt Freiburg auf Pressenachfrage behördlich kleinlaut eingestanden werden mußte. Ein jeder kann sich zudem beteiligen. Und wie es scheint, ist dem ambitionierten Projekt auch durchaus Erfolg beschieden, wie eine gerade erfolgte internationale Konferenz in Monaco unter Beteiligung von Vertretern aus Wirtschaft und Politik dank weiterer Spendenzusagen bestätigt. Auch die UNO ist schließlich mit im Bunde.

Gleichwohl drängen sich mir dabei zwei Fragen auf. Wie will man, da die massiven Aufforstungen vor allem in armen tropischen Gebieten – des schnelleren Wachstums wegen – erfolgen sollen, eben jene neuen Waldflächen ganz praktisch vor Spekulation, Abholzung und Verbrennung schützen? Und, gesetzt den Fall, diese Neupflanzungen hätten dennoch dauerhaft Bestand, ist es da ganz grundsätzlich nicht doch auch ein probates Instrument, unsere auf Raubbau und Verschmutzung, auf grenzenlose Mobilität und bedenkenlose Wegwerfmentalität basierende Wirtschafts- und Lebensweise unhinterfragt auf Dauer zu stellen? Weshalb sollten sich sonst auch Vertreter aus der Wirtschaft beteiligen …