Von Bürgerlichen und von deutscher Kultur

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zur just erfolgten Bundestagswahl erfuhr die AfD den größten Zuspruch im „sozial prekären Milieu“ hüben wie drüben mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstand, ohne rechte Aufstiegschancen. Mithin schöpfte sie hier das Protest-Potential einer von weiterer gesellschaftlicher Marginalisierung und Nicht-Repräsentanz bedrohten Schicht ab. So weit, so sozio-ökonomisch nachvollziehbar. (Wobei dann immer noch festzuhalten bleibt, daß über siebzig Prozent demnach eine andere Partei gewählt oder sich erst gar nicht an der Wahl beteiligt haben.)
Zugleich gelang ihr jedoch mit zwanzig Prozent Zustimmung ein veritabler Einbruch ins bürgerlich-konservative Milieu, mithin das traditionelle Revier der Christdemokraten. Nach landläufiger Meinung hält diese Wähler-Klientel viel auf Anstand, Umgangsformen oder Temperierung. Gleichwohl ließ sich offenbar ein Fünftteil derer nicht davon abhalten, eben bei jener Partei ihr Kreuzchen zu setzen, welche nachgerade auffällt durch einen alles andere denn konzilianten Stil (auch wenn hier ebenfalls ein bedeutender Anteil einzig aus Protest derart votiert haben mag). Obgleich der ein oder die andere LautsprecherIn wohl gerade diesem Stand zuzurechnen sein dürfte.
In Anbetracht dessen beginne ich beinah schon dem Diktum Aydan Özuguz‘ zuzustimmen, ihres Zeichens Integrationsbeauftragte der gewesenen Bundesregierung, wonach „(e)ine spezifisch deutsche Kultur (..), jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“ sei. Es sei denn, diese spezifische deutsche (politische) Kultur eines schäbigen Radau-Gepolters macht Schule und wird inskünftig nicht mehr allein gehegt und gepflegt von der neuen ex negativo-Volkspartei. Tempora mutantur …

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