Die PH ist ein Eiland, mit IKT befinden wir uns auf der Insel der Seligen. In schöner Regelmäßigkeit sind wir bemüht, ein paar reflektierte Zeilen über das scheinbar einzig relevante Thema – Schule und Lernen in Zeiten der (virtuellen) Cholera – in die Tastatur zu hauen, nur daß den Anforderungen eines Leistungsnachweises genüge getan wird. Aber schreiben wir mit diesem Rückzug in den Konformismus des Privaten nicht an der Realität vorbei? Oder haben wir gar bewußt die Flucht angetreten aus Verzweiflung über diese Welt?
Die apokalyptischen Reiter sind gewappnet und geschürzt, verbreiten als Künder von nahendem Unheil Angst und Schrecken, Armageddon scheint nicht fern. Die Moral befindet sich allüberall im freien Fall in ungekannte Un-Tiefen, es zählt allein der kurzfristige (Lust-)Gewinn des “anything goes”, Rücksicht landet auf dem Scheiterhaufen der zum Aussterben verurteilten Gefühlsregungen, das Recht des Stärkeren (Na Charlie, Du hast es auch nicht eben leicht, aller Orten versteht man Dich miß…) paralysiert jegliche Vernunft …
Plagen kommen auf uns hernieder: Die Ölpest im Golf von Mexiko, der weltweite Mißbrauchskandal in der katholischen Kirche, die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – und das ist bloß die Spitze des medial vermittelten globalen Katastrophen-Eisbergs. Über allem spuckt endlich ein unscheinbares, bis dato allenfalls Vulkanologen und Islandenthusiasten geläufiges Bergchen namens Eyjafallajökull Gift und Galle und zeigt uns unsere Grenzen auf, so als ob es das Geschehen auf dieser unserer (einzigen!) Erde zynisch kommentierte.
Mag der Keynesianismus in den 1970/1980er Jahren auch an seine Grenzen gestoßen sein; der ungebändigte fiskalische Manchesterliberalismus der Chicago Boys hat sich längst selbst entleibt! Denn führt sich ein System nicht selbst ad absurdum, dessen Überlebensfähigkeit an dem seidenen Faden hängt, daß eine getriebene Politik über Nacht immer weitere Unsummen aus dem Ärmel in ein Faß ohne Boden schüttelt? Eine an sich bereits unvorstellbare Zahl von einer Milliarde ist zu einer alltäglichen Größe verkommen, mit der man mal so auf die Schnelle an den Symptomen herumdoktert. Die Politik hat sich dabei jedoch längst der Möglichkeit und der Pflicht des verantwortungsvollen Gestaltens für einen jeden einfachen Bürger begeben. Statt die Wirtschaft in den Dienst ihres Handels im Sinne einer good governance zu stellen, ist sie zu einem bloßen Erfüllungsgehilfen anonymer supranationaler Gesellschaften mutiert. Nicht Regierungen sind die Feinde, werte (Staats-)Terroristen! Auch die kindischen Hampelmänner und kleinen Wichte in Teheran oder Pyöngyang sind nicht die Geiseln der Menschheit! Nein, es sind die Nieten in Nadelstreifen, welche in New York, London, Frankfurt, Zürich, Hongkong oder Tokio unbehelligt ihrem Tagwerk nachgehen dürfen.
Heißt es nicht: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Darum laßt uns dieses System an die Wand fahren!
„Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“