Verfasst von: rikblaine | Mai 19, 2010

Eyjafjatlajökutl oder der Tanz auf dem Vulkan

Die PH ist ein Eiland, mit IKT befinden wir uns auf der Insel der Seligen. In schöner Regelmäßigkeit sind wir bemüht, ein paar reflektierte Zeilen über das scheinbar einzig relevante Thema – Schule und Lernen in Zeiten der (virtuellen) Cholera – in die Tastatur zu hauen, nur daß den Anforderungen eines Leistungsnachweises genüge getan wird. Aber schreiben wir mit diesem Rückzug in den Konformismus des Privaten nicht an der Realität vorbei? Oder haben wir gar bewußt die Flucht angetreten aus Verzweiflung über diese Welt?
Die apokalyptischen Reiter sind gewappnet und geschürzt, verbreiten als Künder von nahendem Unheil Angst und Schrecken, Armageddon scheint nicht fern. Die Moral befindet sich allüberall im freien Fall in ungekannte Un-Tiefen, es zählt allein der kurzfristige (Lust-)Gewinn des “anything goes”, Rücksicht landet auf dem Scheiterhaufen der zum Aussterben verurteilten Gefühlsregungen, das Recht des Stärkeren (Na Charlie, Du hast es auch nicht eben leicht, aller Orten versteht man Dich miß…) paralysiert jegliche Vernunft …
Plagen kommen auf uns hernieder: Die Ölpest im Golf von Mexiko, der weltweite Mißbrauchskandal in der katholischen Kirche, die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – und das ist bloß die Spitze des medial vermittelten globalen Katastrophen-Eisbergs. Über allem spuckt endlich ein unscheinbares, bis dato allenfalls Vulkanologen und Islandenthusiasten geläufiges Bergchen namens Eyjafallajökull Gift und Galle und zeigt uns unsere Grenzen auf, so als ob es das Geschehen auf dieser unserer (einzigen!) Erde zynisch kommentierte.
Mag der Keynesianismus in den 1970/1980er Jahren auch an seine Grenzen gestoßen sein; der ungebändigte fiskalische Manchesterliberalismus der Chicago Boys hat sich längst selbst entleibt! Denn führt sich ein System nicht selbst ad absurdum, dessen Überlebensfähigkeit an dem seidenen Faden hängt, daß eine getriebene Politik über Nacht immer weitere Unsummen aus dem Ärmel in ein Faß ohne Boden schüttelt? Eine an sich bereits unvorstellbare Zahl von einer Milliarde ist zu einer alltäglichen Größe verkommen, mit der man mal so auf die Schnelle an den Symptomen herumdoktert. Die Politik hat sich dabei jedoch längst der Möglichkeit und der Pflicht des verantwortungsvollen Gestaltens für einen jeden einfachen Bürger begeben. Statt die Wirtschaft in den Dienst ihres Handels im Sinne einer good governance zu stellen, ist sie zu einem bloßen Erfüllungsgehilfen anonymer supranationaler Gesellschaften mutiert. Nicht Regierungen sind die Feinde, werte (Staats-)Terroristen! Auch die kindischen Hampelmänner und kleinen Wichte in Teheran oder Pyöngyang sind nicht die Geiseln der Menschheit! Nein, es sind die Nieten in Nadelstreifen, welche in New York, London, Frankfurt, Zürich, Hongkong oder Tokio unbehelligt ihrem Tagwerk nachgehen dürfen.
Heißt es nicht: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Darum laßt uns dieses System an die Wand fahren!

„Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“

Verfasst von: rikblaine | Mai 9, 2010

“Unforgettable, that’s what we are!”

Das Internet vergißt bekanntlich nie. Dies Faktum eines grenzenlosen virtuellen Gedächtnisses machen sich bekanntlich Personaler zu nutze, indem sie sich im Web auf die Pirsch nach Leichen im Netz-Keller potentieller künftiger Mitarbeiter begeben. Und überhaupt: wer weiß schon wirklich, was Firmen wie google, facebook, ebay, und wie sie alle heißen und treiben, mit unseren Daten eigentlich anstellen. Die Büchse der Pandora scheint geöffnet, das Einfallstor ökonomischer Manipulation, ganz zu schweigen von organisierter Netzkriminalität, läßt sich kaum mehr schließen. Und so wie sich Extremisten modernster Informations- und Kommunikationstechnologien bedienen, vermögen autoritäre Regime (aber auch sog. Demokratien) ihre renitente (resp. gutgläubige) Bevölkerung um ein leichteres zu bespitzeln. Das Netz erweitert die Möglichkeiten von (Staats-)Terrorismus.

Und dennoch: Am Eingang in die schöne bunte virtuelle (Shopping-)Welt geben wir erst einmal unseren Verstand ab. Das mag sicherlich einer gehörigen Portion Naivität geschuldet sein. Wie soll man es sonst erklären, daß wir – nicht nur in sozialen Netzwerken – seltsam freigebig mit persönlichen Informationen umgehen. Oder ist die Spezies homo sapiens internetiens bloß ein buntes Völkchen eitler Selbstdarsteller? Warum erschaffen wir uns im Netz eine Art von Ideal- bzw. Wunschbild unserer selbst, warum dient uns das Internet gleichsam als virtueller Baukasten unserer multiplen Persönlichkeit? Oder fungiert es nicht vielmehr als Fluchtort vor der rauhen Realität? Oder ist Kommunikation auf herkömmlichen Wege nachhaltig gestört, weshalb alternative Kanäle gesucht werden im Verlangen nach Lob und Anerkennung oder schlichter: sozialem Anschluß, Gemeinschaft, Zweisamkeit? Wohl ist der Mensch ein „zoon politicon“, ein soziales Wesen, dessen Seele ohne Kontakte verkümmert. Online-Partnerbörsen haben darum Hochkonjunktur. Denn je weniger die Leistungsgesellschaft Raum und Zeit läßt für aktive, nicht allein konsumptive Freizeitgestaltung, für ein soziales Miteinander, desto mehr verlagert sich der Akt der Kontaktanbahnung auf unsichtbare Wege. Aber findet denn dort Kommunikation tatsächlich statt? Oder handelt es sich nicht vielmehr um eine Einbahnstraße?

Verfasst von: rikblaine | April 26, 2010

Auf der Suche nach der Sinnlichkeit

Sinnlichkeit! Ach wo bist Du bloß geblieben? Ich bin groß geworden mit sinnlichen Erfahrungen, die den Schülern von heute meist schlichtweg abgehen. Wer einmal hektographierte Blätter in Händen hielt, noch warm und beseelt von jenem leicht benebelnden Geruch von Druckerschwärze,  weiß vielleicht, wovon ich spreche, äh schreibe. Die Qualität ließ eindeutig zu wünschen übrig, die Lettern erschienen im Ausdruck doch eher verwaschen-undeutlich. Aber machte nicht diese Uneindeutigkeit gerade einen Teil des gewissen Charmes aus? Auf eigentümliche Weise verströmte solch ein Bladl Papier das pralle Leben, in nichts zu vergleichen mit der sterilen Kopienflut heutiger Blätterwirtschaft.

Eine Parallele erblicken wir bspw. in der Welt der Homepages und Websites. Diese setzen allzu häufig auf den überwältigenden Special Effect, anstatt mit noblem Understatement Augen und Ohren anzusprechen. Durch die ständige immense Reizüberflutung in unserem Alltag ist uns die sinnliche (audiovisuelle) Erfahrung abhanden gekommen. Tempo, Schlagzahl, Grelligkeit, Lautstärke, Dummdeutsch, Denglisch bestimmen die Agenda. Die Unverwechselbarkeit ist einer rigiden (Kultur-)Gleichmacherei gewichen, es regiert der Formatismus, die stromlinienförmige Beliebigkeit.

Dieses Faktums werden wir auch an anderer Stelle der technologischen Revolution gewahr: Die SMS- wie überhaupt die ganze Handy-Kommunikation. Mal ganz abgesehen von solch sinnfreien Anrufen, wie: „Schatz, hol’ schon mal das Bier aus dem Kühlschrank, ich bin in fünf Minuten da!“; Im schieren Bestreben nach Vergnügungs-Maximierung nach dem Lustprinzip, man könnte etwas besseres, ja das ultimative Mega-Event verpassen, halten wir uns in einer indefiniten Schwebe lieber bedeckt, geben nur ja keine allzu frühe Zusage – und finden in Handy resp. SMS das perfekte Medium unserer Unverbindlichkeit. Wir sind zu unzuverlässigen Spaßrobotern mutiert.

Letztlich bleibt damit das gesellschaftliche Engagement auf der Strecke, wie der weißrussische Politikwissenschaftler Evgeny Morozov in einem „skeptischen Dialog“ mit dem Medienwissenschaftler Clay Shirky (FAS, 11.04.’10) ernüchtert konstatiert. Wo ein billiger Reiz allein an der Oberfläche angreift, die Relevanz indes sich im Dunklen verliert sowie ein Mangel an sinnlicher Erfahrung (auditiv, visuell, gustatorisch, olfaktorisch, taktil) keine tiefere Identifikation und Verbundenheit mit einer Sache ermöglicht, sind wir rasch gewillt, unsere Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeit? Daß ich nicht lache! ADS lautet häufig die Diagnose …) auf andere Dinge zu lenken. Je mehr blood, sweat and tears, desto besser …

Verfasst von: rikblaine | April 25, 2010

“Geiz ist geil” – Vom Jagen und Sammeln

„Geiz ist geil!“ Das war einmal, der Werbeslogan ist mittlerweile – zumindest in Deutschland – Vergangenheit, doch hinter diesen für sich genommen doch unscheinbaren drei Worten verbirgt sich eine nach wie vor populäre Mitnahme-Mentalität, die den Menschen ständig nach dem ultimativen Schnäppchen hetzen läßt – Hauptsache billig. Das fängt bei Lebensmitteln an und hört bei Billigfliegern noch lange nicht auf. Solch eine Einstellung wird nicht zu letzt im Internet kultiviert, da auf dem virtuellen Marktplatz der unbegrenzten Möglichkeiten prinzipiell ein jeder als Konsument oder Produzent auftreten kann. Das Flatrate-Zeitalter etikettiert zudem alles mit dem all-inclusive-Label. Wir sind kaum mehr bereit, für Inhalte (Film, Musik, Text aller Art etc.) einen adäquaten Obolus zu entrichten, fündig werden wir ja trotzdem – sei es wir handeln oder bieten „drei, zwei, eins … meins“ bei Online-Auktionen oder Web-Kaufhäusern, bei Tauschbörsen, professionellen Schnäppchenseiten etc. („Asche über mein Haupt“ – denn auch der Schreiber dieser Zeilen sucht und findet das ein oder andere im Netz).

Daß wir uns dabei recht häufig in einer juristischen Grauzone bewegen (die Aktivitäten bei manchen Tauschbörsen sind doch eher halblegal zu nennen), ficht uns nicht weiter an, denn wir sind in unserem grenzenlosen Jäger-und-Sammler-Fieber einer plötzlichen und unerklärlichen Naivität verfallen. Oder tendiert nicht vielmehr das Unrechtsbewußtsein unweigerlich Richtung Nullpunkt? Wir erleben eine Umwertung aller Werte. Technologischer Fortschritt und materieller Wohlstand in dessen Windschatten münden fast zwangsläufig in eine tendenziell gefährliche Saturiertheit, leistet doch solch eine Disposition wiederum einem  moralischen Relativismus Vorschub (wie wir nicht erst seit Guido W.s unsäglicher Geschichtslektion wissen), der zunächst noch abseits des Mainstream fröhliche Urständ feiert und bald in Kultur und Gesellschaft an die Oberfläche gespült wird. Die Weiten des Web bieten geistigen Tieffliegern jedweder Couleur eine praktische und preiswerte Plattform, ihren Ungeist rasch und anonym unter die interessierte Öffentlichkeit zu bringen. Dies Treiben zu kontrollieren gleicht eher einer Sisyphosarbeit. Und sollte doch einmal jemand einen solchen Vorstoß wagen, lauert hinter der nächsten Kamera und Mikrofon bereits Guido W. und schreit: „Zensur!“

Das Web 2.0 ist ein demokratischer Tummelplatz. Ein jeder, der sich berufen fühlt und kompetent, kann dank offener Verfahren an der Entwicklung sog. Freeware mitarbeiten, sich bei Newsgroups einbringen oder Artikel für Online-Enzyklopädien wie Wikipedia verfassen. Das klassische Tagebuch hat ausgedient, denn heutzutage unterhält man einen eigenen Blog. Kontakte knüpft und hält man mittlerweile über soziale Netzwerke. Altmodische Gesellschaftsspiele sind unbekannt, das Netz dient uns als Spielwiese. Wir kaufen und verkaufen, bestellen, buchen, laden herunter, tauschen uns aus, suchen Gleichgesinnte. Der Möglichkeiten aktiver Beteiligung waren noch nie so viele, das Internet ist ein globales Dorf, die Vision einer klassenlosen Gesellschaft scheint im Netz ihre Verwirklichung gefunden zu haben. Kinder (und das bedeutet in unserem Kontext also Schüler) wachsen heutzutage wie selbstverständlich und spielerisch mit den Vorzügen einer vernetzten Welt auf, während alle anderen (Lehrer wie wir bspw.) sich erst mühsam die technischen Fertigkeiten aneignen müssen, um diese eben auch genießen und mit ersteren überhaupt Schritt halten zu können, ihre Lebenswelt kennen zu lernen.

So weit so gut, könnte man nun sagen. Doch weit gefehlt, das Mitmach-Web birgt durchaus manche Schattenseiten. Wir sind mit der digitalen Revolution eingetreten in ein Zeitalter der drohenden Sprachlosigkeit. Wir schreiben hier, chatten da, schauen dort. Und verlernen darüber die Fähigkeit, einander Auge in Auge gegenüber zu stehen, miteinander real zu kommunizieren. Wir entwickeln uns also zu Autisten, reinen Maschinenmenschen, unfähig, Gefühle zu zeigen oder adäquat in Worte zu fassen.
Das Netz produziert darüber hinaus mehr Quantität denn Qualität, die Kultur verflacht zusehends, und wer darüber nicht den Überblick verliert, ist ein rechter Cyber-Pfadfinder. Die Verläßlichkeit geht flöten, denn wer ist tatsächlich noch imstande, Angaben zu überprüfen? Trugen klassische Printmedien noch mit gewisser Berechtigung das Etikett der Vierten Macht im Staate, so ist vor solch einem Hintergrund diese Rolle ernstlich in Gefahr. Wer Information macht, macht Meinung macht Politik macht Macht?! Politische Implikationen sind angesichts der Totalität des Web aktueller denn je, am Horizont erblicken wir unschwer Orwells großen Bruder – schöne neue Internet-Welt …

Verfasst von: rikblaine | März 21, 2010

Bloggen mit Goethe

Frei nach Goethe seh ich mich genötigt mit dessen Faust-Figur zu klagen:

Habe nun, ach! Del.icio.us,
wiki und moodle,
Und leider auch igoogle
Durchaus eingericht’, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;

So wie mir mag es wohl manch einem meiner wackeren IKT-MitstreiterInnen ergehen, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Doch halt: Der Schreiber dieser Zeilen hat sich nach spontaner Einkehr entschieden, keine neuerliche Blog-Philippika gegen die Undurchdringlichkeit und generelle Verderbtheit des weltweiten Netzes zu verfassen (darüber schwadroniere ich das nächste Mal wieder gern – versprochen!) Statt dessen sollen die restlichen der 300 Blog-Wörter durchaus ernsthaften Gedanken über die Einsatzmöglichkeiten solcher Plattformen im Bildungsbereich gewidmet sein (das sind immerhin noch stolze 180 Wörter und gleich kommt doch „Tatort“, da muß ich mich ran halten, aber jetzt brühe ich mir trotzdem erstmal nen Tee auf).

Prost! Wo war ich stehen geblieben? Ach ja! Der Vorteil einer (geschlossenen) Lernplattform liegt beinah auf der Hand. Denn in der relativen Anonymität dieser virtuellen Umgebung mag manchem die Kommunikation leichter fallen. Schüler, welche im klassischen Unterricht aus unterschiedlichen Gründen zu kurz kommen, finden in diesem Medium ihre persönliche Plattform sich auszudrücken. Ohne daß sie zu befürchten brauchen, im selben Augenblick vor Scham im Boden zu versinken.  Gleichzeitig mag es auch Schüler geben, die sich mit dem schriftlichen Ausdruck schwer zu tun. Sind diese dann jedoch angehalten, so wie wir regelmäßige Einträge zu einem bestimmten, vielleicht vorgegebenen Thema abzufassen, schult dies Vorgehen auch ihre Schreibfähigkeit. Zumal die Form hier freier gewählt werden kann. Schließlich hat eine Lehrperson ein aussagekräftiges Instrument zur Eigenevaluation zur Hand. Wäre es doch denkbar, die Schüler eine gerade absolvierte Schulstunde über eine komplexere Thematik in einem solchen Forum inhaltlich zusammenfassen zu lassen. Die Lehrkraft könnte in solchem Falle viel unmittelbarer in welche Richtung auch immer reagieren. Das mögen nun idealistische Vorstellungen fernab jeglicher Realität sein und zugegeben habe ich keinen blassen Schimmer, ob heutzutage tatsächlich auf und mit diesen Plattformen in der beschriebenen Art und Weise im schulischen Bereich gearbeitet wird. Ein Versuch wäre es aber sicherlich wert. Und nun spannende Unterhaltung beim „Tatort“, ich habe fertig!



Verfasst von: rikblaine | März 7, 2010

Gelernters schöne neue (Internet-)Welt – eine Polemik, I

Mein Glückstag

Erschlagen und desorientiert – so entließ mich am 22. Februar meine erste IKT-Sitzung des Frühjahrsemesters 2010 an der PH TG. Das Fragezeichen stand mir förmlich ins Gesicht geschrieben. Verwirrt suchte ich mir einen Weg zu bahnen zwischen all den Medias und Pedias, den Webs und Nets, den Blogs und Dots, den moodles und doodles. Begriffe, Plattformen und Tools (ein Hoch dem anglizistierten Neuhochdeutsch!), die ich bis dato eher vom Hörensagen kannte und sie dementsprechend kaum mit Inhalt füllen konnte. Ganz zu schweigen vom Überbau (Hallo, Metaebene!)! Es stellten sich Fragen, Gedanken drängten sich auf über Sinn und Zweck. Zunächst mal ganz praktisch: Worüber soll ich mich denn als unbeleckter Neuling in der schönen neuen (Internet-)Welt Woche für Woche gewählt und reflektiert oder auch mal bemüht und platt in einem Blog auslassen? Will ich mich überhaupt so weit vernetzen, veröffentlichen, so viele Spuren hinter lassen, mich verlieren, gar verheddern in den ungeahnten Fallen und (Un-)Tiefen des  weltumspannenden anonymen Netzes? Bar jeder haptischen Erfahrung, gefühllos, allein auf den kalten Blick setzend, vertrauend (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!)? Welchen Nutzen trägt mir all das denn ein? Und steht dieser Ertrag dann endlich in einem rechten Verhältnis zu dem geleisteten Aufwand, sprich: der Zeit, in der man sich – nicht nur im studiVZ – verzettelt? Time is cash!

Doch dann erblickte ich vorvergangenen Sonntag, also am 28., durch das einschüchternde Dunkel des www ein klassisch typographisches Licht am Ende des Tunnels! Aus meinem  Briefkasten konnte ich nach langer entbehrungsreicher Zeit endlich wieder die FAS bergen. Und was sprang mir da nicht sofort ins Auge, welchen Feuilleton-Titel annoncierte da nicht die Seite Eins? Die Zukunft des Internet. Von David Gelernter (Artikel, Interview, Biographie).

Ich sog die Zeilen förmlich in mich hinein, ohne daß ich stets damit d’accord ging, der Text weckte in mir Assoziationen, meine Synapsen liefen heiß und schalteten Verknüpfungen, ich hatte meinen Anker geworfen, mein Blog-Thema also gefunden und der Tag, nein was sage ich, die ganze Woche war gerettet … to be continued

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